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IV.
DIE KIRCHENGEMEINDE

Wie alle mir bekannten Religionen zeichnet sich die Scientology Kirche durch ein Gemeindeleben und eine kirchliche Organisation aus, die beide die Funktion des Erhalts und des Ausdrucks der Glaubenslehre sowie der Pflege der religiösen Praktiken erfüllen. Von der kirchlichen Organisation her ist die Scientology Kirche eher hierarchisch als gemeinschaftlich strukturiert. Gemeinschaftlich organisierte Religionen üben ihre Autorität durch die Wahl der Geistlichen aus und bestimmen über Neugestaltung von Glaubenslehren (Kredo), religiösen Praktiken und kirchlichen Richtlinien. Die meisten protestantischen Konfessionen in den Vereinigten Staaten sind derart gemeinschaftlich strukturiert. Sie üben ihre Autorität sozusagen von der Basis her nach oben hin aus. Andererseits üben hierarchisch strukturierte Religionen ihre Autorität durch Ernennung und Delegierung von oben aus, entweder durch ein kirchliches Oberhaupt wie dem Pontifex Maximus (lat. für Oberster Priester, d. h. der Papst) der römisch-katholischen Kirche oder dem Dalai Lama des tibetanischen Buddhismus, oder durch ein zentrales Exekutivorgan wie beispielsweise eine Bischofssynode bzw. einen Ältestenrat. Meine Analysen der Scientology Kirche zeigten auf, dass sie der klassischen hierarchischen Kirchenordnung folgt.

Wie alle mir bekannten Religionen zeichnet sich die Scientology Kirche durch ein Gemeindeleben und eine kirchliche Organisation aus, die beide die Funktion des Erhalts und des Ausdrucks der Glaubenslehre sowie der Pflege der religiösen Praktiken erfüllen.

Im Folgenden soll eine Kurzbeschreibung der Organisation der Scientology Kirche gegeben werden. Der 1986 verstorbene L. Ron Hubbard ist seit jeher der einzige Ursprung religiöser Doktrin und Technologie, einschließlich der höheren OT Stufen. Die höchste kirchliche Autorität wird in der Scientology Kirche von der Church of Scientology International (CSI) und dem Religious Technology Center (RTC) ausgeübt. CSI ist die Mutterkirche und hat als Hauptaufgabe, das Glaubensbekenntnis der Scientology in aller Welt zu verbreiten. Die gleichfalls überaus wichtige Verantwortung von RTC liegt in der Wahrung, der Aufrechterhaltung und dem Schutz der Reinheit der Scientology Technologie und in der Sicherstellung der korrekten und ethischen Anwendung gemäß den Grundsätzen der Lehre. Die Funktionen des RTC sind denen der Kongregation der Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche vergleichbar.

Scientology Missions International (SMI) fungiert als die Mutterkirche der Missionen in aller Welt. Diese Struktur ähnelt sehr stark der First Church of Christian Science in Boston, die auch als Mutterkirche für alle Kirchen der Christian Science dient. Bei allen Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Doktrin ist RTC die oberste und letzte Berufungsinstanz, genau wie der Vatikan und seine Kongregationen für die römisch-katholische Kirche die obersten Gerichte sind.

Ich muss an dieser Stelle noch die Sea Organization erwähnen. Die Sea Org setzt sich aus Mitgliedern der Scientology Kirche zusammen, die einen Schwur geleistet haben, der Kirche „eine Milliarde Jahre“ zu dienen. Damit geben sie ihrer Verpflichtung Ausdruck, der Kirche im Hier und Heute und in unzähligen nachfolgenden Leben dienen zu wollen. Was die Jesuiten für die römisch-katholische Kirche sind, das ist die Sea Org für die Scientology Kirche geworden. Aus den Reihen der Sea Org kommen fast alle Führungskräfte der Kirche.

Scientology beschreibt sich manchmal selbst als „angewandte religiöse Philosophie“. Von mancher Seite wurde diese Phrase verwendet, um zu argumentieren, dass Scientology keine Religion wäre. Jedoch zeigen meine Untersuchungen der Lehren der Kirche und Interviews mit ihren Mitgliedern, wie bereits oben erwähnt, dass Scientology alle die Merkmale aufweist, die alle Religionen auf der Welt und in der Geschichte gemeinsam haben: eine ausgereifte Glaubenslehre, aufrechterhaltene religiöse Praktiken und eine hierarchische Kirchenordnung. Darüber hinaus besitzt der Ausdruck „Philosophie“ mehrere Bedeutungen und steht keinesfalls in Widerspruch zum Begriff der „Religion“. Wörtlich bedeutet der Ausdruck Philosophie „Liebe zur Weisheit“, und jede der Menschheit bekannte Religion predigt eine Form von „Weisheit“ oder Einsicht in die letztendliche Wahrheit. Meine Gespräche mit Scientologen zeigten, dass die Anhänger das Wort „Philosophie“ auf die höchste Bedeutung des Lebens und auf das Universum in der religiösen Auslegung des Ausdruckes beziehen. Die „Philosophie“ der Scientology stützt sich auf den Glauben, dass die Seele unsterblich ist und ewig fortbesteht. Mit dem Gebrauch philosophischen Gedankengutes und mit der Betonung der Anwendung ihrer Lehren unterscheidet sich die Scientology Kirche ganz gewiss nicht von anderen mir bekannten Religionen. Zwischen Religion und Philosophie besteht immer eine Verbindung. In seinem großen Werk Summa Theologica verwendet der bedeutendste Theologe in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche, der Hl. Thomas von Aquin, zahlreiche philosophische Ideen, Begriffe und Gebilde, die er der Lehre des griechischen Philosophen Aristoteles entlehnte, und drängt auf die moralische Anwendung dieser „philosophischen“ Lehre, und doch käme es sicherlich niemandem in den Sinn, die Summa Theologica als etwas anderes als eine religiöse Abhandlung par excellence zu bezeichnen. Der Ausdruck „eine angewandte religiöse Philosophie“ widerlegt in keinster Weise die Tatsache, dass Scientology eine bona fide Religion im vollsten Sinne der Bedeutung dieses Begriffes darstellt.

Jedoch zeigen meine Untersuchungen der Lehren der Kirche und Interviews mit ihren Mitgliedern, wie bereits oben erwähnt, dass Scientology alle die Merkmale aufweist, die alle Religionen auf der Welt und in der Geschichte gemeinsam haben ...

Westliche Religionen – vor allem das Judentum, das Christentum und der Islam – erheben traditionell einen Anspruch auf Ausschließlichkeit. Jede Glaubensrichtung fordert für sich, der einzig wahre Glaube zu sein – kraft ihrer einzigartigen Glaubenslehre, ihres Heilands, Propheten, Heilsweges oder ihrer Interpretation der höchsten Bedeutung von Leben und Wahrheit. Dieses Charakteristikum des Ausschließlichkeitsanspruches trifft im Allgemeinen nicht auf die östlichen Religionsformen zu, wie z. B. den Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Shinto und Taoismus. In östlichen Religionen kann ein und dieselbe Person als Shinto ins Leben kommen, sowohl nach Shinto- als auch nach christlichem Brauch heiraten und schließlich nach buddhistischen Riten bestattet werden, ohne jemals eine „Entscheidung treffen“ zu müssen, welche Religion die „richtige“ ist. Gegenwärtig verliert sogar das Christentum in der westlichen Welt etwas von seinem Ausschließlichkeitscharakter, wie die Bemühungen unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften zeigen, die sich im interreligiösen Dialog und gemeinsamen Gottesdiensten engagieren. Für Religionswissenschaftler, die sich unmittelbar mit den zeitgenössischen Religionspraktiken auseinandersetzen, ist das Phänomen pluralistischer Konfessionen nichts Besonderes und etwas vollkommen Selbstverständliches. Wenngleich die Scientology Kirche eine große Nähe zu den Traditionen der Hindu und der Buddhisten aufweist, so erhebt sie dennoch keinen Anspruch auf reine Nicht-Ausschließlichkeit, aber auch nicht auf Ausschließlichkeit. Von Scientology Mitgliedern wird beispielsweise nicht verlangt, dass sie sich von ihren vorherigen religiösen Überzeugungen lossagen bzw. ihre Mitgliedschaft in anderen Kirchen oder Glaubensgemeinschaften aufgeben. Dies steht in Einklang mit der zeitgenössischen Auffassung multikonfessionaler Religiosität. Nichtsdestoweniger beteiligen sich Scientologen im Allgemeinen in der Praxis voll und unter Ausschluss anderer Konfessionen an der Scientology Religion. Auf jeden Fall beeinträchtigt die Toleranz gegenüber Personen mit anderen religiösen Traditionen keineswegs die ganz spezifische religiöse Identität der Scientologen.

V. Andachtsformen in Scientology
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