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I. Einführung

Religionen sind unter anderem unverkennbare Versuche des Menschen, Zeit und Raum für religiöse Zwecke zu schaffen. Religionen bestimmen die Feiertage eines Kirchenkalenders, die besonders beachtet, gefeiert oder gewürdigt werden. Religionen schaffen auch heilige Stätten – Orte der Andacht, der Versammlung, der Wallfahrt –, denen spezielle rituelle Beachtung zukommt. Durch die Mitwirkung an Zeit und Raum, die für religiöse Zwecke verwendet werden, verankern die Menschen ihr religiöses Engagement in der Welt.

Alle Religionen, selbst die „neuen religiösen Bewegungen“, finden Mittel und Wege, um Zeit und Raum für religiöse Zwecke zu schaffen. Im internationalen kirchlichen Kalender der Scientology Kirche ist zum Beispiel der 11. November als „Nationaler Gründungstag, Südafrika“ aufgeführt. Er feiert die Gründung der ersten Scientology Kirche in Südafrika, Johannesburg, im Jahre 1957. Obwohl bereits 1955 Vorträge über Scientology in Johannesburg gehalten wurden, markiert die Gründung der ersten Kirche dort den Beginn des organisierten religiösen Lebens von Scientology in Südafrika.

Nach über einem Jahrzehnt des Wachstums stieß die Kirche auf Widerstand seitens der südafrikanischen Regierung. Unter der Schirmherrschaft des Gesundheitsministeriums wurde zwischen April 1969 und Dezember 1970 eine formelle Untersuchungskommission der Regierung einberufen, um die Scientology Kirche zu überprüfen. Mit der Vorlage ihres Berichts im Jahre 1972 gab die Kommission die nicht zu rechtfertigende Empfehlung, dass Scientology in Südafrika keine gesetzliche Anerkennung als Kirche oder Religion bekommen sollte.

Trotz der Empfehlung dieser Kommission wurde es der Scientology Kirche jedoch gestattet, als gemeinnützige Organisation eingetragen zu werden. Im internationalen kirchlichen Kalender der Scientology kennzeichnet der 16. Januar den Feiertag „Anerkennungstag Afrika“ zum Gedenken an den Tag im Jahre 1975, an dem die Scientology Kirche in Südafrika als gemeinnützige Organisation anerkannt worden ist. Die Kirche erwartet jedoch noch die volle rechtliche Anerkennung als bona fide Religion in Südafrika, eine Anerkennung, die Scientology in anderen Teilen der Welt bereits erhalten hat. Wenn dies geschieht, wird dem gesamtkirchlichen Kalender der Scientology Kirche möglicherweise ein neuer Feiertag hinzugefügt.

Im Hinblick auf die Schaffung von Raum für religiöse Zwecke hat die Scientology Kirche in den meisten bedeutenden Großstädten des Landes Stätten für die Andacht etabliert. Der Gründung der ersten Kirche in Johannesburg folgten Gründungen von Scientology Kirchen in Kapstadt (1961), in Port Elizabeth (1962), in Durban (1963) und in Pretoria (1968). In Johannesburg wurde 1981 eine weitere Kirche gegründet, die dem Norden von Johannesburg mit Diensten zur Verfügung steht. Wie alle religiösen Orte sind auch diese Kirchen Stätten für besondere Arten religiöser Aktivität. Ordinierte Geistliche stellen in diesen Kirchen ein breites Spektrum religiöser Dienste zur Verfügung, einschließlich Sonntagspredigten, seelsorgerischer Beratung und Zeremonien für Eheschließungen, Taufen und Trauerfeiern, die diese Orte zu wichtigen Zentren des religiösen Lebens in der Scientology machen.

Scientology ist „eine angewandte religiöse Philosophie. Ihr Ziel ist es, ein Individuum zum Verständnis seiner selbst und seines Lebens als spirituelles Wesen in Beziehung zum gesamten Universum zu führen“. Mit anderen Worten entwickelt die Scientology Kirche eine religiöse Form des Menschlichseins, die im Hinblick auf sakrale und übermenschliche Dimensionen des Lebens verwirklicht wird.

Wie jede andere Religion ist Scientology demnach ein unverkennbarer Versuch des Menschen, Zeit und Raum für religiöse Zwecke zu schaffen. Wie jede andere Religion ist Scientology jedoch auch ein unverkennbarer Versuch des Menschen, menschlich zu sein. Gemäß der eigenen Definition der Kirche ist Scientology „eine angewandte religiöse Philosophie. Ihr Ziel ist es, ein Individuum zum Verständnis seiner selbst und seines Lebens als spirituelles Wesen in Beziehung zum gesamten Universum zu führen“.1 Mit anderen Worten entwickelt die Scientology Kirche eine religiöse Form des Menschlichseins, die im Hinblick auf sakrale und übermenschliche Dimensionen des Lebens verwirklicht wird.

Die üblichen akademischen Definitionen von Religion konzentrieren sich gewöhnlich entweder auf übermenschliche oder sakrale Besonderheiten religiöser Welten. Ein Versuch, Religion zu definieren, geht auf E. B. Tylor, einen Anthropologen des neunzehnten Jahrhunderts, zurück. Demnach ist Religion im Wesentlichen eine Hingabe an übermenschliche Transzendenz. Gemäß dieser Definition ist Religion eine Reihe von Glaubensvorstellungen und Praktiken im Hinblick auf spirituelle, übernatürliche oder übermenschliche Wesen, die sich über das gewöhnliche Niveau der menschlichen Existenz erheben und es überschreiten. In einem anderen Ansatz zur Definition von Religion, der auf das Werk des Soziologen Emile Durkheim zurückgeht, ist Religion eine Reihe von Glaubensvorstellungen und Praktiken im Hinblick auf einen sakralen Mittelpunkt, der eine menschliche Gemeinschaft vereint. Aus dieser Perspektive verleiht Religion dem Leben eine sakrale Bedeutung und Macht, nämlich mittels Glauben an Mythen und Doktrinen, durch rituelle und ethische Praktiken, durch persönliche Erfahrung und durch Formen sozialer Organisation.2

Mit Sicherheit kann die Scientology Kirche als eine Religion im Sinne der Standard-Definitionen bezeichnet werden. Sie entwickelte sich aus den spirituellen Heilungstechniken der Dianetics, die von ihrem Gründer L. Ron Hubbard bereits im Jahre 1950 formuliert worden waren. Jedoch haben akademische Diskussionen die Tendenz, die politische Dynamik von Ablehnung und Anerkennung zu ignorieren, die mit der Definition von Religion einhergeht. Bevor wir die grundlegenden Merkmale der Scientology Religion skizzieren, ist es daher notwendig, hier kurz auf die strittige Geschichte der Anerkennung von Religionen in Südafrika einzugehen.

II. Anerkennung von Religion
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