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X. Scientology und andere Glaubensrichtungen

X.I. Einige Ähnlichkeiten von Scientology und anderen Glaubensrichtungen

Die Scientology unterscheidet sich in ihrer Ideologie, Praktik und Organisation stark von den traditionellen christlichen Kirchen und den von ihnen abgespaltenen Sekten. Bei einer allumfassenden Betrachtungsweise jedoch, wie sie in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft vorherrschen muss, ist es offensichtlich, dass die Scientology in allen wesentlichen Punkten eine Stellung einnimmt, die anderen Bewegungen, die unbestreitbar zu den Religionen zu zählen sind, sehr ähnlich ist. Ideologisch gesehen weist sie wesentliche Ähnlichkeiten mit der Sankhya-Schule des Hinduismus auf. In ihren Gemeindeaktivitäten, die eine weit weniger zentrale Bedeutung haben als in Nonkonformisten-Bewegungen, werden dennoch Punkte betont, die denen einiger Nonkonformisten-Gruppen nicht unähnlich sind. Ihre soteriologischen Ziele sind ganz entschieden metaphysisch und ähneln in gewisser Hinsicht denen der Christlichen Wissenschaft.

X.II. Doppelmitgliedschaft

Ein hervorstechendes Merkmal der Scientology ist, dass ihre Mitglieder bei einem Beitritt andere religiöse Überzeugungen und Mitgliedschaften nicht aufgeben müssen. Daraus könnte man schließen, dass die Scientology sich damit zufrieden gibt, lediglich eine zusätzliche oder ergänzende Reihe von Überzeugungen und Bräuchen zu sein, aber solch eine Schlussfolgerung wäre nicht gerechtfertigt. Ich habe sowohl mit hohen Kirchenvertretern als auch mit einzelnen Scientologen über diesen Aspekt der Scientology gesprochen und von ihnen erfahren, dass die ausschließliche Zugehörigkeit zu ihrer Bewegung zwar nicht erforderlich ist, jedoch in der Praxis entsteht. Gemäß ihrer Aussagen gibt man unweigerlich seinen früheren Glauben auf, wenn man sich mehr und mehr mit Scientology befasst. Zum Beispiel habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Jude, der Scientologe wird, zwar aus kulturellen Gründen seine Mitgliedschaft zum Judentum beibehält und jüdische Feiertage mit der Familie und Freunden feiert, doch glaubt er nicht an die jüdische Theologie und praktiziert sie nicht. Aus meiner Sicht als Wissenschaftler erscheint mir diese Erklärung richtig zu sein. Scientologen betrachten ihren Glauben als eine vollständige Religion, die von ihren Mitgliedern Hingabe verlangt.

Während Ausschließlichkeit der religiösen Bindung ein Merkmal der jüdisch-christlich-moslemischen Tradition ist und Doppel- oder Mehrfachmitgliedschaften nicht toleriert werden, ist dies bei Weitem kein universelles Prinzip für Religionen. Die meisten Zweige des Hinduismus und Buddhismus fordern diese Ausschließlichkeit nicht. Der Buddha hat nicht die Anbetung einheimischer Götter verboten. Der Hinduismus toleriert mehrfache Religionszugehörigkeiten. In Japan zählen sich zahlreiche Menschen sowohl zu den Buddhisten als auch zu den Schintoisten. Die Symbiose von Religionen ist ein wohlbekanntes Phänomen und ist in gewisser Hinsicht auch im Christentum vorgekommen (z. B. das Tolerieren von Spiritualismus oder der Pfingstgemeinde durch anglikanische Bischöfe, auch wenn diese Glaubenssysteme nicht ausdrücklich in der offiziellen Doktrin erfasst waren). Die Tatsache, dass die Scientology durch das Respektieren von Doppel- oder Mehrfachmitgliedschaften einen vom traditionellen westlichen Christentum vertretenen unterschiedlichen Standpunkt einnimmt, ist kein triftiger Grund, ihr den Status einer Religion zu verweigern.

X.III. Exoterische und Esoterische Elemente der Scientology

Das Erscheinungsbild von Scientology in der Öffentlichkeit entspricht nicht unbedingt stereotypen Vorstellungen von Religion. Ihre Literatur lässt sich einteilen in eine weitverbreitete exoterische Literatur und eine esoterische Literatur. Die exoterische Literatur befasst sich hauptsächlich mit den grundlegenden Prinzipien der Metaphysik der Scientology und mit ihrer praktischen Anwendung, um Menschen Hilfe bei der Lösung ihrer Kommunikations- und Beziehungsprobleme zu bieten sowie Intelligenz, Vernunft und eine positive Lebensausrichtung zu fördern. Der eingeschränkte Bereich der esoterischen Literatur, die nur fortgeschrittenen Studenten der Scientology zugänglich gemacht wird, bietet sowohl eine vollständigere Darstellung der Metaphysik der Religion als auch fortgeschrittenere Auditing-Techniken. Diese Schriften legen im Detail die Theorie von Theta (den ursprünglichen Gedanken des Geistes) dar und dessen Niedergang durch seine Verstrickung in das materielle Universum aus Materie, Energie, Raum und Zeit im Laufe vieler Leben, und sie zeigen, wie der Mensch übernatürliche Fähigkeiten erwerben – genaugenommen wiedererwerben – kann. Nur Scientologen, die schon weit fortgeschritten sind, werden als fähig erachtet, die Wichtigkeit dieser Ausführungen des Glaubenssystems zu begreifen und die höheren Stufen der Auditing-Verfahren vollständig zu verstehen, die in der esoterischen Literatur aufgeführt werden.

Bei der Unterscheidung zwischen exoterischen und esoterischen Lehren ist die Scientology keinesfalls einzigartig unter den Religionen. Basierend auf dem Prinzip von Jesus: „Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“ (Johannes 16:12), und von Paulus, der starken Tobak für erfahrene Gläubige von Milch für Babys unterscheidet (I. Kor. 3:1–3; und Hebräer 5:12–14), haben verschiedene christliche Bewegungen eine Unterscheidung zwischen elementaren und fortgeschrittenen Lehren und Praktiken beibehalten. Die gnostische Tradition im Randbereich des Christentums hatte sich der Erhaltung von esoterischen Doktrinen ausdrücklich verpflichtet, und auch zeitgenössische Bewegungen, die manchmal von Gelehrten als „gnostisch“ eingestuft werden, treffen gewöhnlich solche Unterscheidungen. Beispielsweise wird bei der Christlichen Wissenschaft die allgemeine Lehre durch Themen mit vertraulichem Inhalt erweitert, die von hierfür ausersehenen Lehrern in besonderen Kursen für Leute, die anerkannte Praktiker werden wollen, gelehrt werden. Außerdem lässt die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bei ihren besonderen Zeremonien nur solche Mormonen zu, die in gutem Ansehen stehen und von ihrem Bischof eine Genehmigung erhalten, auf der unter anderem vermerkt ist, dass sie ihrer Verpflichtung zur Abgabe von 10 Prozent ihres Einkommens an die Kirche nachgekommen sind; andere dürfen diesen Ritualen nicht beiwohnen. Die der protestantischen Hauptströmung näher stehenden Pfingstler enthüllen oft die volle Bedeutung ihrer Lehre und Praktik der „Gaben des Heiligen Geistes“ nur bei bestimmten Gottesdiensten und nicht bei den Versammlungen, die dazu bestimmt sind, die allgemeine Öffentlichkeit zu interessieren. Die Rechtfertigung für eine solche Unterscheidung ist auch ein Prinzip der Ausbildung – fortgeschrittenes Material ist nur für jene verfügbar, die an einer vorhergehenden elementareren Schulung teilgenommen haben, die sie befähigt, ein höheres Niveau aufzunehmen. Diesen Standpunkt vertritt auch Scientology, deren Lehren eine konzentrierte und systematisierte Anstrengung von ihren Studenten verlangen.

XI. Die Anwendung von Religionsmerkmalen auf Scientology
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