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Eine neue „Buchreligion“ in ihrem Streben nach korrekter Befolgung der Lehre

So wie viele gut etablierte Religionen hat die Kirche der Scientology eine umfassende Sammlung von Literatur und eine vollständige Bibliothek mit Texten, Vorträgen und Filmen, die sich alle mit L. Ron Hubbards Forschung und den Entdeckungen über die Natur des Menschen und des Geistes befassen. Diese Bibliothek besteht aus zahlreichen Büchern, wozu sehr umfangreiche enzyklopädische Bände und Tausende auf Tonband aufgenommene Vorträge gehören – ein visueller Beweis dafür, dass die Scientology Kirche als eine „Buchreligion“ angesehen werden muss. Dieser Trend gleicht anderen Weltreligionen, wie dem Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Judentum, Zoroastrismus, Christentum und Islam, um ein paar Beispiele zu nennen.

Die massive Sammlung an Texten, Vorträgen und Dokumenten, die von L. Ron Hubbard geschrieben, aufgenommen und produziert wurden, umfasst die Schriften der Scientology. Sie bildet die Grundlage für die Bemühungen der praktizierenden Mitglieder der Kirche bei ihren oft lebenslangen Studien und Tätigkeiten zur Erlangung der letztlichen Ziele der Dianetics und Scientology, welche als die Zustände „Clear“ und „Operierender Thetan“ bezeichnet werden.

Autorisierte Texte spielen für Scientologen eine besondere Rolle bei der Übermittlung von Wissen und Traditionen und werden anscheinend als heilig betrachtet. Das zusammenhängende Werk, das diese Texte umfassen, wird nicht „Theologie“, sondern „Technologie“ genannt, und dieser Begriff hat in scientologischen Kreisen eine ganz besondere Bedeutung. L. Ron Hubbard wird als der „Ursprung der Technologie“ angesehen und seine Botschaft wird als so einzigartig und unveränderbar betrachtet, dass sie von niemandem interpretiert werden kann. „Spirituelle Nachfolge“ ist wichtig, aber sie ist nicht auf Personen bezogen, wie dies in den meisten christlichen Kirchen der Fall ist, sondern stattdessen auf Bücher; niemand in der Scientology Kirche kann daher behaupten, er habe die Autorität, ein „Botschafter“ zu sein mit dem Privileg, heute oder später L. Ron Hubbards schriftliche oder mündliche Botschaften zu interpretieren.

Dementsprechend wurde 1982 in Los Angeles eine religiöse Körperschaft gebildet, das Religious Technology Center (RTC), um als „die oberste ekklesiastische Autorität für den Standard und die unverfälschte Anwendung der religiösen Technologien L. Ron Hubbards“ zu dienen. Diese Körperschaft ist das Organ, das für die „Sicherstellung der Reinheit der Religion und der Schriften der Scientology“ verantwortlich ist. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, L. Ron Hubbards Texte zu interpretieren, sondern sie zu schützen.

Die Schaffung von RTC symbolisiert einen klaren Trend zur korrekten Befolgung der Lehre, was ein übliches charakteristisches Merkmal der zweiten Generation bei der Entstehung einer Religion ist. Während sich eine Religion bildet, wird es zum Beispiel wegen Streitigkeiten um die Doktrin oder aus anderen Gründen oft erforderlich, einen „Kanon“ für die Religion zu schaffen, damit man zwischen der dogmatischen „Essenz“ und „anderen“ Texten unterscheiden kann und dadurch die Botschaft des Propheten und die Reinheit der Doktrin vor ketzerischen und sektiererischen Bemühungen geschützt werden.

Ein weiterer damit zusammenhängender wichtiger Prozess ist der Autoritätsgedanke der Mutterkirche. Die Gründungskirche der Scientology in Washington, D. C., war die ursprüngliche Mutterkirche, bis diese Rolle Mitte der 1960er-Jahre der Scientology Kirche in Kalifornien zufiel. Als 1981 die Scientology Kirche International (CSI) gegründet wurde, fiel diese Rolle natürlich ihr zu, und sie dient jetzt von ihrem in Los Angeles befindlichen Hauptsitz aus allen Scientology Kirchen.

VI. Riten und Lebensstil der Scientologen
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