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Die Scientology als neue Religion

Vor dem Hintergrund der fünf vorstehend erörterten Kategorien versuchen wir jetzt, die Rolle und den Platz der Scientology Kirche innerhalb der zahlenmäßig rasch ansteigenden Bewegungen „neuer Religionen“ zu untersuchen, indem wir uns insbesondere mit ihren Lehren, Praktiken und Organisationen befassen. Die wesentliche Frage lautet wiederum: Handelt es sich bei der Scientology um eine „Religion“ oder nicht? Dieser Bericht kann mit einer anderen Studie von Bryan R. Wilson verglichen werden, einem britischen Religionssoziologen, der die Scientology ganz allgemein anhand der folgenden bestimmenden Faktoren für eine Religion untersucht hat:

a) Glauben, Praktiken, Beziehungen und Institutionen in Bezug auf das Übernatürliche, auf das Hauptanliegen des Menschen usw.

b) Praktiken, die Gehorsam, Verehrung oder eine Andachtshandlung konstituieren;

c) Kollektiv- oder Gruppencharakter der religiösen Lebensweise.

Nach einem eingehenden Studium mehrerer Weltreligionen liefert Wilson eine ausführliche Beschreibung der Scientology als Theologie und Institution. Seine wichtigen abschließenden Aussagen schließen ein, dass sich „Religionen im Laufe der Zeit verändern“ und „die Religion per se Veränderungen durchläuft“.

Wilson hat den wichtigen Punkt der „Veränderung“ erkannt, als er seine Betonung auf Fakten legte, bei denen wir seiner Meinung sind: „Neuere Religionen“ oder „moderne Bewegungen befinden sich nicht im Einklang mit allen Punkten unseres (relativ zeitlosen) Modells.“ Wilsons abschließende Aussage lautet: „Die Scientology ist eine echte Religion und sollte als solche angesehen werden.“

Wir befassen uns als nächstes mit der Scientology anhand der fünf Dimensionen einer Religion.

A) Kognitive Dimension

Die kognitive Dimension der Scientology wird durch ihre einzigartige und detaillierte Sicht der Welt und des Universums bezeugt, nämlich in ihrer Doktrin der acht Dynamiken, die jede Existenz in acht verschiedene Ebenen unterteilt, wobei sich der spirituelle Bereich und Gott am höchsten Punkt befinden. Der Glaube der Scientologen an die Existenz des Übernatürlichen zeigt sich in ihrem Glauben an das wahre Selbst als geistiges Wesen – den Thetan – und an die Unsterblichkeit des Thetans durch Tausende von vergangenen Leben, und es zeigt sich in ihrem Glauben an die spirituelle Welt und an Gott. Es sind diese übernatürlichen Kräfte und Gott, durch welche die Scientologen ihr Schicksal, ihre Bedürfnisse und ihre Werte bestimmen.

Die Scientology muss auf jeden Fall als eine belesene oder „Buch“-Religion angesehen werden. Ihre Traditionen werden fast ausschließlich durch ihr Glaubensbekenntnis und durch die vielen Schriften und Vorträge ihres Gründers überliefert.

B) Affektive oder emotionale Dimension

Die affektive oder emotionale Dimension kann in der engen Beziehung zwischen der scientologischen Praktik und dem übernatürlichen Bereich gefunden werden. Die religiöse Erfahrung der Scientology liegt im Auditing und in der Ausbildung, wodurch Scientologen mit ihrer spirituellen Realität im Dialog stehen. Dieser Dialog macht sich insbesondere im Auditing bemerkbar, wo der Scientology Geistliche den Thetan durch vergangene Leben führt, um Vorfälle spiritueller Beeinträchtigung zu lösen. Durch ihre Bemühungen, die acht Dynamiken zu koordinieren und ins Gleichgewicht zu bringen, kommunizieren Scientologen mit der spirituellen Ebene und mit Gott. Scientologen sehen sich selbst und andere als geistige Wesen (nicht als Körper), die weit über der physischen Dimension existieren. Sie haben im Allgemeinen eine gemeinsame Gesinnung und empfinden Solidarität mit anderen Wesen und dem spirituellen Universum.

C) Willensmäßige oder verhaltensmäßige Dimension

Die willensmäßige oder verhaltensmäßige Dimension findet sich bei der Scientology Religion in ihren grundsätzlichen Riten – den religiösen Praktiken des Auditings und der Ausbildung – und in den Riten bei Beginn einer neuen Lebensphase – Hochzeitszeremonien, Beerdigungen und Namensgebungen. Die Doktrin der Scientology verlangt von ihren Gemeindemitgliedern außerdem das höchste Niveau ethischen Verhaltens und beinhaltet ein hochentwickeltes System von Verhaltensregeln, um die Gemeindemitglieder diesbezüglich anzuleiten. Diese Verhaltensregeln finden sich in den allgemeinen Prinzipien des scientologischen „Systems für Ethik und Recht“ sowie in bestimmten Kodizes wie beispielsweise dem Auditorenkodex, dem Kursüberwacherkodex, dem Ehrenkodex und dem Kodex eines Scientologen.

D) Soziale Dimension

Die soziale Dimension der Scientology Religion spiegelt sich in dem komplexen Aufbau und den komplexen Aufgaben der Kirche wider. Die internationale Kirchenhierarchie der Scientology Kirche besteht aus mehreren Ebenen und mehreren bestimmten Organisationen, deren Aufgabe darin besteht, die korrekte Befolgung der Lehre und die Aktivitäten der einzelnen Kirchen zu überwachen. Zur Kirchenhierarchie gehört die Scientology Kirche International, die „Mutterkirche“, deren Aufgabe darin besteht, die Ausübung und Verbreitung der Religion auf einer weltweiten Basis zu überwachen. Dann gibt es das Religious Technology Center, das unmittelbar für die Reinheit der scientologischen Schriften und die Religionsausübung getreu der Lehre verantwortlich ist.

Unter der Leitung ihrer Mutterkirche sind die einzelnen Kirchen hierarchisch angeordnet, worin sich die Stufe der von ihnen angebotenen religiösen Dienste widerspiegelt. So gibt es zum Beispiel in Florida die Flag Service-Organisation der Scientology Kirche. Sie bietet die höchsten Stufen der religiösen Dienste der Scientology an. Und es gibt die verschiedenen, auf der ganzen Welt existierenden „Fortgeschrittenen Organisationen“ und „Saint Hill Kirchen“. Sie bieten die religiösen Dienste für mittlere Stufen an. Unterhalb von diesen befinden sich die örtlichen Scientology Kirchen, Scientology Missionen und unabhängigen Geistlichen. Sie bieten die weiter unten befindlichen und ganz unten befindlichen Stufen von Diensten an. Jede dieser Ebenen wird wiederum von einer Kirchenorganisation überwacht, die der Mutterkirche unterstellt ist.

E) Kulturelle Dimension

Die kulturelle Dimension der Scientology ist ebenso reichhaltig wie vielfältig. Obwohl die Scientology neu ist, hat sie eine unverkennbare Kultur, die durch viele einzigartige Merkmale gekennzeichnet ist. Sie hat ihre eigene Nomenklatur (die in zwei verschiedenen Wörterbüchern dargelegt ist), mit Begriffen wie „Thetan“, „Clear“, „Auditing“, um nur ein paar zu nennen. Sie besitzt einen eigenen Kalender mit Feiertagen, wie beispielsweise dem Geburtstag von L. Ron Hubbard, dem „Auditoren-Tag“ und anderen Daten, die nur für Scientologen eine spezielle Bedeutung haben. Es gibt spezielle Orte, die für die Scientology von großer religiöser Bedeutung sind und zu denen die Mitglieder Wallfahrten unternehmen, wie beispielsweise L. Ron Hubbards Zuhause in Saint Hill Manor, England, und die Flag Service-Organisation der Scientology Kirche in Florida.

Scientologen führen ihr Leben in striktem Einklang mit den scientologischen Schriften. Sie wenden in ihrem täglichen Leben und in ihren Beziehungen sowie beim Aufziehen von Kindern die Ethik und Moral der Scientology an. Viele Scientologen melden ihre Kinder in Schulen an, in denen Scientology Prinzipien zur Anwendung kommen, wie beispielsweise die von L. Ron Hubbard entwickelten Studiermethoden. Scientologen aller Altersgruppen konsumieren keine Drogen und lehnen den Gebrauch von Drogen scharf ab.

Jene Scientologen, die sich ihrer Religion am meisten widmen – die Mitglieder der See-Organisation –, leben in einer Gemeinschaft, kümmern sich gemeinsam um ihre täglichen und wirtschaftlichen Bedürfnisse wie Nahrung, Unterkunft und medizinische Versorgung, tragen unverkennbare Uniformen, leben nach bestimmten Bräuchen und widmen fast ihre gesamte Arbeitszeit dem Dienst an ihrer Religion. Die Scientology Kirche ist mit all ihren Aufgaben für die in ihrem religiösen Orden dienenden Mitglieder ganz klar eine „Lebensweise“.

IX. Schlussfolgerungen
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