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XVI. Vielfalt unter Religionen: Die Jainas

Eine nicht weniger radikale Herausforderung für die eng gefassten westlichen Begriffe über das, was eine Religion ausmacht, wird durch den Jainismus geboten, eine in Indien anerkannte Religion, die auch normalerweise in der Liste der (gewöhnlich elf) großen Religionen enthalten ist. Sir Charles Eliot schrieb darüber: „Jainismus ist atheistisch, und dieser Atheismus ist als Regel weder apologetisch noch polemisch und wird als natürliche religiöse Einstellung akzeptiert.“ Die Jainas leugnen aber nicht die Existenz von Devas, Gottheiten, jedoch unterliegen diese Wesen genau wie die Menschen den Gesetzen der Seelenwanderung und des Verfalls, und sie bestimmen nicht das Schicksal des Menschen. Die Jainas glauben, dass Seelen individuell und unendlich sind. Sie sind nicht Bestandteil einer universalen Seele. Seelen und Materie werden weder erschaffen noch zerstört. Erlösung wird durch die Befreiung der Seele von Fremdelementen (karmischen Elementen) erreicht, die sie niederdrücken. Diese Elemente erreichen Zugang zur Seele durch die Handlungen der Leidenschaft seitens des Einzelnen. Solche Handlungen verursachen Wiedergeburt unter Tieren oder unbelebten Substanzen: Verdienstvolle Handlungen verursachen Wiedergeburt unter den Devas. Wut, Stolz, Betrug und Gier sind die Haupthindernisse für die Befreiung der Seelen, und indem der Mensch diesen widersteht oder ihnen erliegt, ist er Herr seines eigenen Schicksals. Durch Bezähmung des Selbst und indem man keinem Wesen Schaden zufügt, selbst schädlichen Insekten nicht, und indem man ein asketisches Leben führt, kann ein Mensch die Wiedergeburt als Deva erreichen. Die Regeln der Moral für den frommen Glaubensanhänger bestehen darin, Freundlichkeit zu zeigen, ohne Hoffnung darauf, etwas zurückzubekommen; sich am Wohlergehen anderer zu erfreuen; danach zu trachten, das Leid anderer Menschen zu lindern; und Mitgefühl für den Kriminellen zu zeigen. Von Selbstkasteiung wird geglaubt, dass sie angesammeltes Karma vernichtet. Der Jainismus umfasst eine asketische Ethik, aber diese Askese ist von recht anderer Art als jene, die in der christlichen Tradition beworben wird, die abermals passiver und fatalistischer ist.

XVII. Vielfalt unter Religionen: Hinduismus
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